Sonntag, 4. September 2011

Die vergessenen Alten III.

Zu Besuch im Aufenthaltsraum
(Original vom Montag, 20. Dezember 2010)

In meinem Alter sind einem die Besuche bei Freunden, Bekannten und ehemaligen Nachbarn in einem 'Seniorenheim' nicht fremd.
Und dennoch stehe ich dort so manches Mal recht hilflos da.
Der Mann, den ich heute besuchte, saß in seinem Rollstuhl in seinem Zimmer und zappte mit der Fernbedienung von einem Fernsehprogramm zum anderen.

Als ich herein kam, bat er mich gleich, ihn doch bitte wieder ins Bett zu legen . . . aber das konnte ich nicht. Er war einfach zu schwer, ich hatte keine Ahnung, mit welchem 'Dreh' ich ihn da hinüber bringen sollte und er selbst konnte mich, aufgrund seiner Lähmungen, nicht bei dem Manöver unterstützen.
Also sah ich mich im Flur um und bat eine Pflegerin, ihrem Pflegling wieder ins Bett zu verhelfen.
Wir warteten.
Dem alten Knaben tat sein Bein immer mehr weh . . . und wir warteten.
Nach rund 15 Minuten versuchte ich noch einmal eine Pflegerin zu ergattern . . . und der Pflegling wurde endlich, nach rund einer halben Stunde, versorgt.
Ich wurde während dieser Zeremonie aus dem Zimmer hinaus komplimentiert und ging in den Aufenthaltsraum.
In diesem Raum befindet sich auch eine Teeküche.
Die Pfleglinge, die sich hierher bewegen können, die essen hier auch ihr Frühstück, Mittagessen und Abendbrot.
Hier zupfte mich eine ältere Dame am Ärmel und bat mich, sie doch von ihrem Rollstuhl heraus auf einen Stuhl zu setzen.

Nein, auch diesen Dienst an meinem Nächsten konnte und durfte ich nicht verrichten. Ich hatte ja keine Ahnung, wie lange sie überhaupt im Rollstuhl gesessen hatte und ob sie überhaupt allein auf einem Stuhl sitzen konnte.
 
Was macht man dann, wenn man nicht helfen kann und diese hilfsbedürftige Frau einen immer wieder flehentlich bittet, sie doch aus ihrem Rollstuhl zu befreien?
 
Man weint innerlich, zeigt dieses aber nicht,
um den Pflegling nicht noch hilfloser werden zu lassen
und wartet wiederum, selbst hilflos,
auf eine der wenigen Pflegerinnen.
W
enn man Glück hat, dann geht die Zeit schnell vorbei.
Und wenn man Pech hat, dann wartet man wiederum eine halbe Stunde oder länger . . .

Kommentare:

  1. Ich habe ähnliches erlebt und kann dieses bestätigen. Aber das Bitten meiner Mutter sie zur Toilette zu begleiten usw. wurde abgelehnt, stattdessen wurde sie gewindelt. Ein Vorgang der gang und gebe ist in den Altenheimen na gut oder auch nicht.
    Mir wurde vorgeworfen in die Pflege einzugreifen bei anderen Bewohnern. Das konnte ich nicht. Was ich tat, das war zum Beispiel den Stuhl bei der Kafferunde, ranzurücken, wo zwar ein Pfleger anwesend war, aber keine Zeit hatte, oder ein Taschentuch reichen oder einer dementen verirrten Frau, die noch frei herumlief, den Weg zu ihrem Zimmer zu zeigen. Was macht man dann? In diesem Fall konnte ich helfen. Auch besorgte ich einer Frau, die das Geld schon in der Hand hatte, nur 1 €, Blumen aus dem gegenüberliegenden Geschäft; sie durfte nicht raus.

    All diese Gesten wurden mir dann in dem Hausverbot als Eingriff in die Pflege angelastet. Ja , so sieht es aus - leider.

    Was macht man dann? Man geht zu einem Pfleger, der dann genervt ist, wenn das öfters geschieht. So sieht es aus. Der Pfleger meldet das der Heimleitung, die dann ein Hausverbot verhängt. Darf sie das? Ja - leider.

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  2. Guten Morgen Olga!

    Deinen Wunsch nach einer Änderung deines Kommentares kann ich leider nicht erfüllen. Die hier vorliegende Software erlaubt ein Ändern nicht, damit Kommentare nicht verfälscht oder manipuliert werden können.

    Bitte schreibe mir Dinge, die nicht versehentlich freigegeben werden sollen
    nur per eMail - Kurt@Kurt-Staudt.de - oder rufe mich gern an.
    Meine Daten findest Du im Blog auf dieser Seite 12:
    http://pflegeheim-ich-klage-an.blogspot.de/p/kontakt.html

    Du hast schlimme Dinge erleben müssen . . . ich wünsche dir, daß Du viele gute Freunde in deinem Umfeld hast, die dir tatkräftig zur Seite stehen!

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  3. Das Hinauskomplimentieren aus dem Zimmer, während Pflegemassnahmen anstehen, ist durchaus üblich und ist in bestimmten Fällen einzusehen. Anfangs beobachtet ich interessiert und aufmerksam, wie man dies und jenes macht, um zu lernen, wie man einer gelähmten Person z.B. am besten eine Jacke anzieht.

    Als man mir sagte, dass ich das Personal verunsichere, begab ich mich fortan teils von selber aus dem Raum.

    So hielt ich mich derweilen vor dem Haus, im Gang, auf der Terasse und in der Cafeteria auf und kam ungewollt mit Heimbebewohnern und Besuchern in Kontakt.
    Verwunderlich ist es deswegen nicht, dass dann im Hausverbot stand, dass es mir gar nicht um den eigentlichen Besuch der Pflegebedürftigen ging, sondern dass ich die meiste Zeit durchs Haus lief und Leute ansprach, was aber nicht der Wahrheit entsprach..
    Paradox - das Heim hatte ein schlechtes Gewissen. Nein, ich sprach nicht über Mängel und dergleichen. Eine Frau bat mich wegen der sehr grossen Hunde, die ein Besucher in den Gemeinschaftsheim mitbrachte, doch auch mal etwas zu sagen. Sie hatte wohl Angst und ihr war das aus anderen Gründen nicht geheuer. Ich sagte nichts gegenüber Personal oder dem Besucher - da schon zuviel Zündstoff in der Luft lag.
    Das Verstecken der Klingel ist auch sehr üblich. Im Vorfeld des Schlaganfalles kam es zu einem Zusammensacken. Das Pflegepersonal surrte die Mutter an, sie könne aufstehen, die Klingel war geschickt versteckt worden. Ich kam zufällig dazu. Nun, nicht alle des Personals sind derartig aufgelegt. Nach weiteren Vorfällen kam es zu einem Personalwechsel auf der Station und von da an lief es l besser - ja es gibt auch sehr freundliches nettes Personal.

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